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Blaukäppchen

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Blauk. HPBlaukäppchen

 

 

 

Haltung und Zucht der Blaukappenloris, Vini australis

 

Beschreibung / Verbreitung:

In natürlicher Umgebung lebt der Blaukappenlori-Vini australis paarweise oder in kleineren Gruppen auf den Samoa-, Tonga-Inseln und auf Fidji.

Sie sind sehr gute Flieger,  denen es leicht gelingt, auch größere Entfernungen zwischen den einzelnen Inseln zu überwinden. Es sind kleine stämmige Vögel mit grüner Grundfarbe, blauem Scheitel und roter Kehle. Männchen sind vor allem an der Rotausdehnung am Hals gegenüber den Weibchen zu unterscheiden. Eine DNA-Analyse ist allerdings sicherer.

Wie alle Vini-Arten ist das Blaukäppchen im Anhang A der EG-Verordnung Nr. 338/97 aufgeführt. Daraus ergibt sich die Pflichtring-Beringung und eine Vermarktungserlaubnis mit den Cites-Papieren.

 

 Haltung:

Blaukäppchen sind lebhafte aber stimmlich ruhige Vögel. Bei entsprechender Unterbringung sind sie auch ausgesprochen gut  zu halten.

Ich halte und züchte sie seit Jahren in nur nach vorne offenen Kistenkäfigen mit den Mindestmaßen 250 cm x 100 cm x 100 cm. Die Wände sind aus beschichteten Spanplatten oder Sperrholzplatten, die mit Acryl-Farbe gestrichen sind. Der Gitterrahmen ist abnehmbar. Der Boden ist mit Sägespänen bedeckt, die bei einem Besatz von 2 Vögeln etwa alle 4  - 6 Wochen gänzlich erneuert werden müssen.

Die Einrichtung erfolgt mit Naturästen, die bei Bedarf erneuert werden. Der Schlaf- und Nistkasten besteht aus Naturholz mit den Innenmaßen 24 cm x 16 x 17 cm. Das Einschlupfloch ist 6 cm groß. Die Käfige sind mit Leuchtstoffröhren von 6 bis 21 Uhr beleuchtet. Die Raumtemperatur liegt zwischen 20 und 22 Grad. Zwischen 50 und 60 % bewegt sich in der Regel die Luftfeuchtigkeit. Liegt sie darunter, muss zusätzlich befeuchtet werden.

 

Fütterung:

Ein Paar erhält pro Tag regelmäßig um 6.30 Uhr 100 ml Futterbrei. Dieser  setzt sich bei der Menge von einem Liter wie folgt zusammen:

65 g Haferschleim, 30 g Pollen, 5 g  Bierhefe, 3 g Nekton-MSA. Diese Zutaten werden am Vorabend abgewogen, gemischt und am nächsten Tag mit warmen Wasser und 50 g Honig aufgerührt. Weiter werden 2 Tropfen Emulvit zugegeben. Den Brei verfüttere ich seit Beginn meiner Lorihaltung im Jahr 1992 mit bestem Erfolg in Haltung und Zucht.

Die Mischung stammt von Rüdiger Neff, Fichtenberg. Am Abend werden die Futternäpfe herausgenommen, gewaschen und für den nächsten Tag zum trocknen aufgestellt oder verbleiben in einer Desinfektionslösung.

Danach füttere ich Obst und überstreue es mit Trockenfutter, ebenfalls in der von Neff empfohlenen  Zusammensetzung. Auf 1 kg kommen 430 g gemahlene Pollen, 360 g Haferschleim, 140 g Traubenzucker, 50 g Bierhefe und 20 g Kalk. An Obst gebe ich vollreife Äpfel (Golden Delicius), abwechselnd Birne und Papaya (ohne Schale).

Da nach den Erfahrungen Blaukappenloris zu Übergewicht neigen, gebe ich das Trockenfutter nur während der Brut und bei Jungtieren regelmäßig. Ständig bekommen meine Vögel frische Äste (vorwiegend Weide) und Fichtenzweige zum benagen und zur Gefiederpflege (Einemsen). Auch Kalk, bei mir in Form von Sephia-Schalen, darf nicht vergessen werden.  

Meine Vögel erhalten auch so weit wie möglich Grünfutter und Blüten. Ausser Vogelmiere und Kreuzkraut sind dies vor allem Blätter und Blüten vom Löwenzahn. Blüten von Schlehe und Obstbaum, Jasmin, Holunder und von der Akazie in den Wintermonaten sind sehr beliebt.

Täglich frisches Wasser ist schon aufgrund des großen Badebedürfnisses eine Selbstverständlichkeit.

 

Zucht:

Die beschriebene Haltung und Fütterung führte bisher zu guten Erfolgen bei zwei Zuchtpaaren. Insgesamt gesehen verlief vieles erfolgreich aber nicht alles glatt. Wie wohl bei vielen anderen Vogelarten auch, ist eine gewisse Aufmerksamkeit mit evtl. sich daraus ergebenden Eingriffen vonnöten.

Ein Paar begann mit der ersten Brut im Januar 2001. Zu diesem Zeitpunkt war das Weibchen 16 Monate und der Hahn 12 Monate alt. Von den beiden Eiern war eines befruchtet. Der Jungvogel schlüpfte und verstarb. Bei der zweiten Brut schlüpften im April beide Jungvögel und wurden gut gefüttert. Am 8. Tag machte ich einen entscheidenden Fehler, indem ich den Nistkasten ausräumte und säuberte. Dies geschah gedankenlos, weil es bei anderen Loriarten bisher keine Probleme gab. Bei den Blaukäppchen verlor ich beide Jungvögel , sie wurden zerbissen.

Bei weiteren Bruten schlüpfte jeweils ein junges, welches aber vom Weibchen allein aufgezogen werden musste. Der Hahn musste bereits während der Brut oder spätestens nach dem Schlupf entfernt werden, weil er das Weibchen an der Futteraufnahme hinderte und nicht mehr in den Kasten lies.

Das zweite Paar begann mit der 1. Brut im Februar 2001. Der Hahn war zu diesem Zeitpunkt 12 Monate, das Weibchen 13 Monate alt. Das erste Ei wurde 2 Tage später gefressen. Aus dem zweiten Ei schlüpfte ein junges und starb. Etwa das gleiche setzte sich bei den Bruten im August und November fort. Nach dem Umsetzen in einen anderen Raum begann im März 2002 eine weitere Brut. Die beiden Jungvögel wurden tadellos von beiden Elternteilen versorgt und bis zur Selbständigkeit aufgezogen. Bei der nächsten Brut im September wurde ein Jungvogel aufgezogen, das 2. Ei war leer.

Bis heute brütet diese Paar sehr zuverlässig. Das erste braucht weiter mehr Aufmerksamkeit. Die Eier wurden jeweils im Abstand von 2 – 3 Tagen gelegt. Nach einer Brutzeit von 25 – 27 Tagen sind die Jungvögel geschlüpft und wurden dann im Alter von 9 – 12 Tagen mit 4,5 mm, jetzt 5 mm BNA-Ringen beringt.

Im Alter von 50 bis 56 Lebenstagen sind die Jungvögel ausgeflogen. 20 bis 25 Tage konnten sie bei den Eltern belassen werden. Spätestens nach 3 Wochen ist in jedem Fall Wachsamkeit angezeigt, weil die Eltern wieder in Brutstimmung kommen oder auch nach 3 Wochen schon wieder gelegt haben.

 

Krankheiten / Vorsorge:

Bei dieser beschriebenen Haltung und Fütterung hatte ich bisher keine größeren Probleme. An Arzneien oder zusätzlichen Vitaminen wird nichts verabreicht. Vorbeugend gebe ich nur, wie allen anderen Loris auch, viermal im Jahr Nystatin-Tropfen von Lederle. Jeweils eine Woche lang werden 5 Tropfen je Vogel in den Brei gegeben.

Trotzdem rate ich seit dem heissen Sommer 06 zu regelmäßigen Kotuntersuchungen, damit evtl. auftretende Gesundheitsprobleme rechtzeitig erkannt werden können.

 

Schlussbemerkungen:

Probleme ergaben sich durch schlechten Schlupf und dem Tod frisch geschlüpfter Jungvögel. Ich konnte es eigentlich nur mit der Luftfeuchtigkeit in Verbindung bringen, obwohl bei anderen Loriarten in gleichen Räumen bisher nicht derartiges festgestellt wurde.

Seitdem ich während der Brutzeit mehr darauf achte und regelmäßig den Brutkasten innen besprühe, schlüpfen die Jungvögel besser.

Insgesamt gesehen, sind Blaukäppchen eine angenehm zu haltende Lori-Art. Sie sind ständig in Bewegung und faszinieren durch ihr Verhalten. Mit frischen Ästen, vor allen mit dünnen und lang herunterhängenden, kann man ihnen und sich selbst große Freude bereiten.

 

Veröffentlichung: AZ-Nachrichten 6/03; DKB-Der Vogelfreund 9/05; VZE-Vogelwelt 3/07.

 

 

 

Jungvögel im Alter von 30 und 31 Tagen

 

 

 

 

 

 

 

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